Neue Leitlinie zur radiologischen Kontrolle von Ernährungssonden

Ein neues Paper stellt erstmals standardisierte radiologische Kriterien zur Kontrolle von Ernährungssonden bei Hund und Katze vor – und zeigt, wie Fehlplatzierungen sicherer erkannt werden können.
Die enterale Ernährung ist ein zentraler Bestandteil der Therapie bei Hunden und Katzen mit unzureichender Futteraufnahme. Naso Ösophageale (NE) und nasogastrale (NG) Sonden sind klinischer Alltag – bergen jedoch bei Fehlplatzierung das Risiko schwerwiegender Komplikationen.
Obwohl die radiologische Lagekontrolle als Goldstandard gilt, fehlten bislang standardisierte Beurteilungskriterien.
In dem 2026 erschienen Paper von Andrea Vila Cabaleiro et al. mit dem Titel “Introduction and validation of radiographic guidelines for identification of nasoesophageal and nasogastric tube position in dogs and cats” werden nun validierte, reproduzierbare Kriterien zur radiologischen Evaluation der Sondenlage bei Hund und Katze definiert.
Wir haben das Paper gelesen und Ihnen einige interessante und praxisrelevante Punkte zusammengefasst:
Die Leitlinie definiert va. drei radiologische Orientierungspunkte:
Dorsale Sondenlage auf Höhe des Larynx:
Wenn die kraniale Halsregion auf der Aufnahme enthalten ist, sollte die Sonde dorsal des Larynx verlaufen. Sofern darstellbar, kann die Lamina des Ringknorpels (Cartilago cricoidea) als anatomischer Orientierungspunkt herangezogen werden.
Keine vollständige Überlagerung mit dem Tracheallumen:
Die Sonde sollte radiologisch von der Trachea abgrenzbar sein und das Tracheallumen nicht vollständig überlagern.
Dorsale Sondenlage in Relation zur Carina:
Die Sonde sollte im lateralen Strahlengang dorsal der Carina verlaufen. Dies bestätigt eine ösophageale Lage.
Zwei weitere sehr interessante Punkte dieser Studie, in der insgesamt 256 Röntgenbilder evaluiert wurden, sind
- die Wichtigkeit der Larynx-Darstellung auf den Röntgenbildern und
- das Erkennen einer Fehlplatzierung der Ernährungssonde in der Luftröhre.
Vor Einführung der Leitlinie war die korrekte Beurteilung der Sondenlage signifikant höher, wenn der Larynx auf der Aufnahme enthalten war (89,1 % vs. 77,5 %).
Nach Einführung der standardisierten Kriterien verschwand dieser Unterschied, da insbesondere –
- das Kriterium der “fehlenden vollständigen Überlagerung mit der Trachea” und –
- die “dorsale Lage der Sonde in Relation zur Carina”
auch ohne sichtbaren Larynx eine hohe diagnostische Sicherheit ermöglichen.
Tracheale Fehlplatzierungen wurden vor Einführung der Leitlinie zwar häufig als auffällig erkannt, jedoch in 19,4 % der Fälle als „unklar“ eingestuft. Nach Anwendung der Leitlinie sank dieser Anteil auf 4,1 %.
Dies zeigt, dass die standardisierten Kriterien vor allem dort einen entscheidenden Mehrwert bieten, wo klinische Vorsicht bislang zu diagnostischer Unsicherheit geführt hat.
Relevanz für die Praxis:
Eine systematische radiologische Kontrolle vor Beginn der enteralen Ernährung sollte Standard sein. Die Leitlinie bietet hierfür eine strukturierte und leicht umsetzbare Checkliste.
Die neuen radiologischen Kriterien zeigen, wie wichtig eine strukturierte Kontrolle der Sondenlage im klinischen Alltag ist. Sie helfen dabei, Fehlplatzierungen frühzeitig zu erkennen und die enterale Ernährung sicherer zu gestalten.
Wer das Thema Sondenernährung vertiefen möchte – von der Indikation über die korrekte Platzierung bis hin zum Monitoring und dem Management möglicher Komplikationen – erhält praxisnahe Einblicke in unserem Webinar „Sondenernährung bei Hund und Katze“ am 13. April auf vet-webinar.